Der Komponist, der die tschechische Musik der Welt erschloss
Antonín Dvořák (1841–1904) ist der Komponist, der die tschechische Musik international verständlich machte. Bedřich Smetana schuf die tschechische Nationaloper; Dvořák trug die tschechische melodische Tradition und ihre slawischen Volkselemente in einer Form in den Konzertsaal, die Westeuropa und Amerika hören und lieben konnte. Die Sinfonie „Aus der Neuen Welt” (1893), geschrieben während seiner drei Jahre als Direktor des National Conservatory of Music in New York, führte böhmisches und indianisches melodisches Material einem weltweiten Publikum vor. Sie bleibt eine der meistgespielten Sinfonien der Welt.
Aber Dvořáks Geschichte ist im Wesentlichen Prags Geschichte. Er wurde in Nelahozeves geboren, einem Dorf an der Vltava nördlich der Stadt. Sein Arbeitsleben verbrachte er in Prag, wo er am Konservatorium lehrte, im Rudolfinum dirigierte und in der Gegend der Žitná-Straße wohnte. Er ist auf dem Vyšehrad begraben, der alten Festung über der Vltava, die der mythologische Ursprungsort der tschechischen Nation ist. Sein Grab liegt zwischen denen von Bedřich Smetana, Alfons Mucha und anderen tschechischen Kulturgestalten im Slavín-Mausoleum — einem kollektiven Denkmal für tschechische Leistungen.
Dieser Spaziergang verfolgt diese Geografie: vom Museum zum Rudolfinum, dem mit seiner öffentlichen Karriere am stärksten verbundenen Aufführungsort, bis zum Vyšehrad, wo er ruht.
Der Spaziergang, Haltepunkt für Haltepunkt
Haltepunkt 1: Dvořák-Museum — Villa Amerika
Ke Karlovu 20, Nové Město | Metro: I.P. Pavlova (Linie C)
Das Dvořák-Museum befindet sich in der Villa Amerika, einem 1720 von Kilián Ignaz Dientzenhofer erbauten Barocklandhaus. Dvořák wohnte in der Nähe; das Museum zu seinen Ehren öffnete hier 1932. Die ständige Sammlung umfasst Originalmanuskripte (das Cello-Konzert, die Slawischen Tänze, Briefe von Brahms), sein Klavier, Fotografien und persönliche Gegenstände. Die hier abgehaltenen Gartenkonzerte im Sommer sind ein besonders angenehmes Erlebnis — Kammermusik in einem Garten aus dem 18. Jahrhundert.
Eintritt: 5 € (125 CZK). 45 Minuten einplanen.
Haltepunkt 2: Nationaltheater — Národní divadlo
Národní 2, Nové Město | Metro: Národní třída (Linie B)
West zum Fluss zum Nationaltheater gehen. Dvořáks Oper Rusalka hatte hier 1901 ihre Uraufführung — eine der am häufigsten gespielten tschechischen Opern, mit der Sopranarie „Lied an den Mond” (Měsíčku na nebi hlubokém), die international beliebt ist. Das Nationaltheater-Gebäude selbst (1883 eröffnet, nach einem Brand wiedererrichtet) war ein kollektives nationales Projekt, das Dvořák unterstützte; die Grundsteinlegung des Gebäudes 1868 versammelte das gesamte tschechische Kulturestablishment.
Das Nationaltheater veranstaltet regelmäßig tschechische Oper; wenn Rusalka im aktuellen Programm steht, ist es einer der lohnendsten möglichen Abende in Prag.
10 Minuten für die Außenbesichtigung einplanen; länger, wenn eine Vorstellung besucht wird.
Haltepunkt 3: Rudolfinum — Dvořák-Saal
Náměstí Jana Palacha 1, Josefov | Metro: Staroměstská (Linie A)
Das Rudolfinum ist das Zentrum der emotionalen Geografie dieses Spaziergangs. Dvořák diente hier von 1896 bis 1901 als künstlerischer Direktor des Vorgängerensembles der Tschechischen Philharmonie — die letzten fünf Jahre seiner aktiven Dirigierkarriere. Das neorenaissance-Gebäude, 1885 eröffnet und nach Kronprinz Rudolf benannt, wurde eigens als Konzert- und Ausstellungshalle gebaut und repräsentiert die höchsten Ambitionen der tschechischen nationalen Kulturbewegung.
Der Dvořák-Saal (Hauptkonzertsaal, 1.200 Sitzplätze) gehört zu den feinsten akustischen Räumen in Europa. Die Tschechische Philharmonie spielt hier das ganze Jahr über; jedes Konzert im Hauptsaal ist eine direkte Verbindung mit der Tradition, die Dvořák mitbegründet hat.
20 Minuten für die Außenbesichtigung; ein Konzertbesuch ist das vollständige Erlebnis.
Haltepunkt 4: Tschechisches Konservatorium
Nám. Jana Palacha 25, Josefov | Angrenzend an das Rudolfinum
Das Tschechische Konservatorium steht neben dem Rudolfinum auf demselben Platz. Dvořák lehrte hier von 1891 bis 1895 Komposition, bevor er nach New York ging, und erneut von 1895 bis zu seinem Tod 1904. Zu seinen Schülern gehörten Josef Suk (sein Schwiegersohn) und andere bedeutende tschechische Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts. Das Gebäude ist aktiv in Betrieb; kein öffentlicher Museumszugang, aber das Außenbild und die Atmosphäre des Platzes sind Teil von Dvořáks Geografie.
5 Minuten einplanen.
Haltepunkt 5: Vltava — die Aussicht von der Čech-Brücke
Čechův most (Čech-Brücke) | Fußläufig vom Rudolfinum
Zur Brücke gehen und innehalten. Dvořák wohnte in der Žitná-Straße (10 Minuten südlich) und spazierte regelmäßig an diesem Ufer. Der Blick von der Čech-Brücke umfasst die Burg, Malá Strana, die Flussbiegung und die Hügel dahinter — eine Landschaft, die in seiner Musik in dem Sinne erscheint, dass Smetana sie explizit verwendete (das zweite Stück von Má vlast schildert die Vltava von ihren Quellen im Šumava bis Prag und darüber hinaus). Hier mit einer Dvořák-Sinfonie im Sinn zu stehen schafft die richtige Orientierung.
10 Minuten einplanen.
Haltepunkt 6: Vyšehrad-Friedhof — Slavín-Mausoleum
V Pevnosti 159, Vyšehrad | Metro: Vyšehrad (Linie C)
Der Spaziergang endet auf dem Vyšehrad, dem alten befestigten Plateau über der Vltava südlich des Stadtzentrums. Der Vyšehrad-Friedhof, angrenzend an die Basilika St. Peter und Paul, enthält das Slavín-Mausoleum — ein Kollektivgrab, das 1893 errichtet wurde, um tschechische Kultur- und Kunstpersönlichkeiten zu ehren. Dvořák ist hier begraben (Grab L-5), ebenso Bedřich Smetana (Grab L-1), Alfons Mucha und Karel Čapek. Der Friedhof wird in ausgezeichnetem Zustand gepflegt; Gräber sind einzeln bepflanzt und gepflegt.
Die Vyšehrad-Festung selbst — der felsige Bergrücken mit Blick die Vltava entlang zur Prager Burg — ist an sich ein Vergnügen. Die Geschichte des Vyšehrad (der legendäre Sitz der ersten Přemysliden-Fürsten; das Thema des Eröffnungsstücks von Smetanas Má vlast) verleiht einem Besuch tiefere Resonanz.
Eintritt zum Friedhof: kostenlos. Täglich geöffnet 8:00–20:00 Uhr (Sommer), 8:00–18:00 Uhr (Winter). Eintritt zur Basilika: 3 € (75 CZK).
30–45 Minuten einplanen.
Praktische Informationen
- Start: Dvořák-Museum, Ke Karlovu 20, Metro: I.P. Pavlova (Linie C)
- Ende: Vyšehrad-Friedhof, V Pevnosti 159, Metro: Vyšehrad (Linie C)
- Dauer: 3 Stunden selbst geführt; 4 Stunden, wenn ein Abendkonzert im Rudolfinum besucht wird
- Entfernung: ca. 5 km (3 Meilen)
- Innen vs. außen: Dvořák-Museum und Rudolfinum (bei Konzertbesuch) sind Innenräume; alle anderen Haltepunkte sind im Freien
- Saison: ganzjährig ausgezeichnet; Vyšehrad ist im Herbst (Oktober) und Frühling (April–Mai) besonders schön
- Barrierefreiheit: der Vyšehrad-Metro-Ausgang ist auf Festungsebene — vollständig barrierefrei; der Friedhof ist flach; der Dvořák-Museum-Garten ist Kies
Fragen über Dvořák und Prag
Was ist die Neunte Sinfonie „Aus der Neuen Welt”?
Dvořáks Sinfonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt” wurde 1893 in New York während seiner drei Jahre als Direktor des National Conservatory of Music geschrieben. Er bezog melodische Ideen aus afroamerikanischen und indianischen Traditionen, die er in Amerika hörte, kombiniert mit seinen böhmischen melodischen Instinkten. Das zweite Stück Largo mit seiner berühmten Englischhorn-Melodie gehört zu den erkennbarsten Passagen der klassischen Musik.
Wie wird Dvořáks Name ausgesprochen?
Ungefähr DVOH-zhak. Das Háček über dem r macht es zu einem retroflexen Konsonanten — ungefähr „rzh”. Prager sind bei ausländischen Annäherungsversuchen verständnisvoll, schätzen aber die Bemühung.
War Dvořák mit Brahms befreundet?
Ja. Brahms saß in der Jury des Österreichischen Staatspreises, der Dvořák in den 1870er Jahren ein bedeutendes Stipendium verlieh, und wurde ein Fürsprecher seiner Musik. Sie korrespondierten 20 Jahre lang; Brahms arrangierte, dass Dvořáks Slawische Tänze bei seinem eigenen Verleger Simrock veröffentlicht wurden. Die Freundschaft war produktiv und aufrichtig.
Kann ich in Prag originale Dvořák-Manuskripte sehen?
Ja. Das Dvořák-Museum hat Originalmanuskripte ausgestellt. Das Nationalmuseum verfügt ebenfalls über tschechisches Musikerbe-Material. Das Museum für tschechische Musik (Karmelitská 2, Malá Strana) hat ein umfassenderes tschechisches Musikerbe, einschließlich Dvořáks.
Wo ist Dvořák gestorben?
In seinem Prager Haus in der Žitná-Straße am 1. Mai 1904. Er kollabierte beim Mittagessen; die Ursache war wahrscheinlich ein Schlaganfall kombiniert mit Nierenerkrankung. Er war 62. Sein Begräbnis zog große Menschenmengen an; ein Staatsbegräbnis wurde in der Teynkirche (Týn-Kirche) am Altstädter Ring abgehalten.
Tiefer eintauchen
Prag: Klassikkonzert im Rudolfinum — ein Konzert in dem Saal besuchen, wo Dvořák dirigierte — der natürliche Abschluss dieses Spaziergangs.
Prag: Klassikkonzerte im Smetana-Saal (Gemeindehaus = Obecní dům) — der komplementäre Smetana-Konzertsaal, benannt nach Dvořáks Zeitgenosse und Rivalen um die tschechische Musikvorherrschaft.


